Ludmilla Parsyak / Barz Gruppe / Univer­sität Stuttgart
Experimenteller Aufbau eines Quantennetzwerkknotens, bei dem ein junger Forschender vor einem in blaues Licht getauchten optischen Aufbau steht und eine Linse in der Hand hält.

Projekt QCyber startet an der Univer­sität Stuttgart

18.02.26 Projekt QCyber startet an der Univer­sität Stuttgart

Sichere Quante­nan­wen­dun­gen im realen Glasfaser­netz von Stuttgart

Mit dem Start des Verbund­pro­jekts QCyber erhält das Quantenökosys­tem in Baden-Württemberg einen starken Impuls im Bereich quanten­sicherer Kommu­nika­tion. Unter der Koordi­na­tion der Univer­sität Stuttgart und der Leitung von Prof. Stefanie Barz erforscht QCyber, wie Quante­nan­wen­dun­gen in echten Netzw­erken mit mehreren Nutzen­den sicher und praxis­tauglich einge­setzt werden können.

Das Projekt adressiert eine zentrale Heraus­forderung der digitalen Souveränität: Während Quanten­com­puter in Zukunft klassis­che Verschlüs­selungsver­fahren angreifen könnten, eröffnet die Quantenkom­mu­nika­tion neue Maßstäbe bei der Abhör­sicher­heit. QCyber geht hier einen entschei­den­den Schritt weiter, indem nicht nur Punkt-zu-Punkt-Verbindungen unter­sucht werden, sondern Netzwerke mit bis zu sechs Knoten über Distanzen von bis zu 20 km im Stuttgarter Glasfasernetz.

Im Fokus stehen multi-user-fähige Quante­nan­wen­dun­gen mit hoher Relevanz für Diplo­matie, Finanzwe­sen, Indus­trie und öffentliche Verwal­tung – etwa sichere, anonyme Mehrparteien-Kommunikation, verteilte Infor­ma­tions­freigabe nur durch Zusam­me­nar­beit mehrerer Akteure, „Quantum E‑Voting“ sowie Ansätze für zukün­ftiges quanten­basiertes Cloud Comput­ing. Ziel ist es, Grund­la­gen­forschung mit konkreten Anwen­dungsszenar­ien zu verbinden und so die technol­o­gis­che Souveränität Deutsch­lands und Europas im Bereich IT-Sicherheit zu stärken.

Ein beson­deres Merkmal von QCyber ist der Feldtest im realen campusweiten Glasfaser­netz Stuttgart, das die Standorte Vaihin­gen und Stadt­mitte verbindet. In Kooper­a­tion mit dem assozi­ierten Partner Nokia, der zusät­zliche Teststrecken bereit­stellt, werden die von den Projek­t­part­nern entwick­el­ten Hardware- und Softwarelö­sun­gen unter realen Bedin­gun­gen geprüft und ihre Integra­tion in beste­hende Cyber­sicher­heit­sar­chitek­turen untersucht.

Über Workshops mit Indus­triepart­nern in der ARENA2036 auf dem Campus Vaihin­gen werden poten­zielle Endanwender*innen frühzeitig einge­bun­den. Mögliche Einsatzfelder reichen von sicherer Fahrzeug-zu-Infrastruktur-Kommunikation über den Schutz vernet­zter Produk­tion­san­la­gen in Smart Facto­ries bis zur vertraulichen Datenüber­tra­gung zwischen Unternehmen, Zulief­er­ern und Cloud-Diensten.

Der Innova­tion­scam­pus QuantumBW sieht in QCyber ein Schlüs­sel­pro­jekt, das die Stärken des baden-württembergischen Quantenökosys­tems bündelt: exzel­lente Forschung, reale Testin­fra­struk­turen und enge Verzah­nung mit der Indus­trie. Mit der auf drei Jahre angelegten und mit sechs Millio­nen Euro vom Bundesmin­is­terium für Forschung, Technolo­gie und Raumfahrt (BMFTR) geförderten Initia­tive wird ein wichtiger Baustein für die sichere Infor­ma­tionsver­ar­beitung der Zukunft im QuantumBW-Netzwerk gelegt.